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Ausmusterung

Wie muss ich vorgehen, um ein psychiatrisches Zeugnis zu erhalten und ausgemustert zu werden?
1. Du solltest dir klar werden, ob und welche psychische Gründe vorliegen und ob sie auch im Vordergrund stehen. Empfehlenswert kann hier ein Beratungsgespräch sein. Zu psychischen Gründen können beispielsweise zählen: Ängste aller Art, Nicht-schlafen-können-vor-Militärdienst, Depressionen, Magenschmerzen, Sich-nicht-einordnen-können, u.v.a.
2. Dann telefonisch einen Termin mit Psychiater/in abmachen. Jede/r Psychiater/in kann solche Zeugnisse ausstellen, die meisten tun dies aber eher ausnahmsweise. Besonders die Waffenplatzpsychiater (meist frei praktizierende Vertrauensärzte) machen sehr viele solche Zeugnisse und können in der Regel dafür auch empfohlen werden.
3. Besuch von etwa 2 bis 5 Sitzungen, manchmal mit Tests (Multiple Choice), immer mit Gesprächen. Kosten ca. 400 bis 1400 Franken.
4. Der Psychiater schickt das Zeugnis in der Regel selbst ein. Sonst schickst du es mit einem kurz gefassten "Gesuch um Neubeurteilung der Diensttauglichkeit" an: Militärärztlicher Dienst, Untergruppe Sanität, Worblentalstr. 36, 3063 Ittigen; Telefon 031 324 27 80, Fax 031 324 27 63.
Meist komm es dann noch zu einer Vorladung vor Untersuchungskommission (UC). Die stellen einige wenige Fragen und entscheiden dann. Hat die UC Zweifel, kann der Betreffende aufgefordert werden, ein Zweitzeugnis bei einem weiteren Arzt einzuholen.
Weitere Infos in der Broschüre «Der blaue Weg»

Ich suche einen guten Psychiater. Könnt Ihr mir einen angeben?
Zeugnisse kann an sich jeder Psychiater ausfertigen, zudem auch anerkannte Psychologen. Durchaus gute Chancen bestehen bei verschiedenen Waffenplatzpsychiatern. Dem Psychiater muss man klar machen, dass und wie man unter dem Militärdienst leidet. In kritischen Fällen können die Beratungsstellen für Dienstfragen vertrauenswürdige Psychiater vermitteln, die aber nicht Gefälligkeitszeugnisse ausstellen.

Ich möchte wegen Rückenschmerzen weg. Was tun?
In diesen Fällen ist es empfehlenswert, einen Orthopäden aufzusuchen und ihn zu bitten, die Diagnose schriftlich abzufassen. Entsprechende Adressen führen wir aber nicht. Die Zeugnisse werden zumeist durch eine UC speziell geprüft. Zum Teil verlangen die UC auch noch eine Zweitbeurteilung in einer Poliklinik. Die Zeugnisse schickt man mit einem «Gesuch um Neubeurteilung der Diensttauglichkeit» an den Militärärztlichen Dienst, Untergruppe Sanität, Worblentalstr. 36, 3063 Ittigen; Telefon 031 324 28 41, Fax 031 324 27 44, oder zuhanden der UG San dem Sektionschef. Häufig werden Leute mit Rückenproblemen für beschränkt diensttauglich erklärt («tauglich nur für  Ausbildung und Support») und die Marsch-, Hebe- oder Tragfähigkeit für bestimmte Lasten oder Distanzen eingeschränkt.

Könnt ihr mir eine Ärzteliste mailen?
Weder die Beratungsstellen für Militärverweigerung und Zivildienst noch die GSoA führen Listen über Ärzte, die ohne weitere Fragen eine Untauglichkeitsbescheinigung für den Militärdienst ausstellen. Insbesondere mit körperlichen Gründen ausgemustert zu werden, ist heute deutlich schwieriger. Ohne offensichtliche Schädigungen wird mit orthopädischen Zeugnissen bestenfalls eine Umteilung vorgenommen oder eine Trag- oder Marschdispens erteilt.
Zugänglich ist aber eine Liste der WaffenplatzpsychiaterInnen.

Wer kommt für die Kosten eines ärztliches Zeugnisses auf?
Gemäss Verordnung gilt grunsätzlich, dass ein Angehöriger der Armee, welcher ein medizinisches Zeugnis wünscht, auch die Kosten dafür übernehmen muss. Wenn die UG San eine Abklärung veranlasst, erhalten die praktizierenden Ärzte/-innen einen schriftlichen Auftrag. In diesem Fall ist die UG San Kostenträger.

Wass sollte in einem ärztlichen Zeugnis stehen?
Dazu schreibt der militärärztliche Dienst: «Sowohl der militärztliche Dienst wie auch die Untersuchungskommissionen sind darauf angewiesen, dass sie vom behandelnden Arzt ein ausführliches Zeugnis erhalten. Entgegen ihrem Namen führen die meisten Untersuchungskommissionen keine Untersuchungen durch, sondern beurteilen den Patienten lediglich aufgrund der vorliegenden Akten und des persönlichen Gesprächs.
Im Minimum soll das Arztzeugnis deshalb eine kurze Anamnese, die genaue Diagnose, den Verlauf, die Therapie und eine Prognose beinhalten. Falls vorhanden, sollen zusätzlich die Resultate spezieller Untersuchungen (z.B. Befunde bildgebender Verfahren, Laborresultate, bei psychiatrischen Zeugnissen die Resultate der psychologischen Tests) enthalten sein. Geschätzt wird ebenfalls ein Antrag bezüglich Diensttauglichkeit aus der Sicht des behandelnden Arztes. Für die Abschätzung der Diensttauglichkeit helfen auch Angaben über die sportliche Leistungsfähigkeit des Angehörigen der Armee. Es sei erwähnt, dass die Untersuchungskommissionen das Arztzeugnis zu würdigen haben, jedoch in ihrem Entscheid über die Diensttauglichkeit frei sind.»

Wenn ich mich bei einem Arzt anmelde und einen Termin erhalte, muss ich dann in den WK einrücken oder wird der Marschbefehl nichtig?
Der Marschbefehl bleibt vorläufig weiter bestehen. Erst wenn du einen anderweitigen, schriftlichen Bescheid vom Militär, insbesondere ein Aufgebot vor die Untersuchungskommission (UC), erhalten hast, bist du von der aktuellen Militärdienstleistung befreit. In dringenden Fällen nützt es zuweilen, wenn der behandelnde Arzt direkten telefonischen Kontakt mit dem militärärztlichen Dienst aufnimmt.

Welche Konsequenzen hat ein Ausmusterung auf Grund eines psychiatrischen Zeugnisses?
In der Regel gibt es keine beruflichen Nachteile deswegen. Der Ausgemusterte hat einen jährlichen Wehrpflichtersatz von bis zu 3% des zu versteuernden Einkommens zu bezahlen und wird unter Umstämden zivilschutzpflichtig werden - soweit er noch nicht mehr als 50 Militärdiensttage geleistet hat.

Ich muss in den nächsten Tagen in den Militärdienst, halte ihn aber nicht mehr aus. Was kann ich jetzt tun?
Du kannst versuchen, beim Hausarztes, einer Poliklinik oder einem Notfallpsychiater ein Zeugnis zu bekommen und mit dem einrücken. Sofort nach Einrücken meldest du dich beim Truppenarzt. Ihm berichtest du, wie schlecht es dir psychisch geht, wie sehr du leidest. Nötigenfalls gehst du wiederholt zu ihm.

Ich bin im Militärdienst und fühle mich krank. Was kann ich tun?
Wer im Militärdienst in physische oder psychische Schwierigkeiten kommt, sollte sich vorzugsweise als erstes an den Truppenarzt wenden. Der Truppenarzt kann dich ins Krankenzimmer einweisen oder er hat die Möglichkeit, Dispensationen für bestimmte Tätigkeiten wie Marschieren oder Schiessen auszusprechen. Unter Umständen wird er für zusätzliche Abklärungen einen Waffenplatzpsychiater beiziehen. Er kann für den aktuellen Militärdienst die Entlassung verfügen und bei der Untergruppe Sanität eine Diensttauglichkeitsbeurteilung für die definitive Ausmusterung beantragen. Meist muss aber für die definitive Ausmusterung später aber ein eigenes Zeugnis eingeholt werden. Fühlst Du Dich vom Arzt nicht ernst genommen, melde Dich wiederholt, z.B. am nächsten Tag bei ihm.

Ich bin Vegetarier. Kann ich deswegen ausgemustert werden?
Wer aus ethischen oder ähnlichen Überlegungen auf den Fleischkonsum verzichtet, ist deswegen nicht militärdienstuntauglich. Eine Dienstuntauglichkeit kann eventuell dann gegeben sein, wenn dies auf ärztliche Anordnung hin geschieht. Es ist aber durchaus möglich, dass ein konsequenter Vegetarier im Verlauf der RS für den Dienstbetrieb nicht tragbar und darauf dienstuntauglich erklärt wird.

Ich bin Homosexuell - ist das ein Ausmusterungsgrund?
Nein. Schwulsein ist in der Männergesellschaft Armee ein grosses Tabu. Lächelichmachen von Schwulen ist an der Tagesordnung - so stark, dass da kaum jemand etwas sagen mag. (Wir möchten gerne solche Vorfälle aufarbeiten. Schreibt darüber in unserem Gästebuch oder schickt uns dazu ein Mail - kennzeichne es, wenn wir es vertraulich behandeln sollen.) Viele Schwule ertragen es nicht, unter diesen Umständen Militärdienst zu leisten. Entsteht daraus ein Leiden, kann das durchaus ein Ausmusterungsgrund sein.

Ich bin in der RS. Mir geht es nicht gut und man hat mich zum PPD geschickt. Was ist das?
Aufgabe des Psychologisch-Pädagogischer Dienst der Armee
(PPD) ist es den Armeeangehörigen «Hilfe bei menschlichen Krisen- und Belastungssituationen» anzubieten. Die im PPD arbeitenden Militärdienstleistenden, hauptsächlich Psychologen und Sozialarbeiter, sollen versuchen «Rekruten mit Anpassungs- und Eingliederungsproblemen» zu stützen. Wer sich aber in der RS an den PPD wendet, um entlassen zu werden, ist da häufig an der falschen Adresse. Der PPD hat keine Kompetenzen, Entlassungen zu verfügen. Er kann lediglich den Truppenarzt oder den Schulkommandanten auf Problemfälle aufmerksam machen.

Was macht die UC?
UC ist das Kürzel für die militärärztliche Untersuchungskommission. Die Untersuchungskommissionen sind zuständig für die Beurteilung der Militärdiensttauglichkeit. Bei Aushebungen tritt die UCR (das R für Rekrutierung) in Funktion, wer die Aushebung schon hinter sich hat, kommt vor die UCI (das I für Instruktionskurse). Zudem gibt es Spezial-UC, insbesondere für Orthopädie. Die UC bestehen in der Regel aus drei Ärzten, die nicht vom Militär angestellt sind. Ein Gesuch um Vorladung vor UC kann ausserhalb des Militärdienstes jeder Militärdienstpflichtige stellen, im Militärdienst aber nur der Truppenarzt. Die UC entscheiden vorwiegend aufgrund der vorliegenden ärztlichen Atteste über eine eventuelle Ausmusterung, können aber auch Zusatzuntersuchungen veranlassen. Bestehen Zweifel über die Glaubwürdigkeit eines ärztlichen Zeugnisses, kann der zu Beurteilende aufgefordert werden, bei einem bestimmten Arzt ein zweites Zeugnisse einzuholen. Wer ein Aufgebot vor UC erhalten hat, ist bis zur Beurteilung vom WK, von der Schiesspflicht und von Inspektionen befreit. Die UC kann auf «tauglich», «tauglich nur für  Ausbildung und Support», «schiessuntauglich», «dispensiert um maximal 2 Jahre», und auf «für Beförderungsdienste untauglich» entscheiden.